Die Kreisdelegiertenversammlung der SPD Tempelhof – Schöneberg bittet die BVV-Fraktion der SPD-Tempelhof – Schöneberg sich gegenüber dem Bezirksamt für ein aufsuchendes, mehrsprachiges und kultursensibles Energieberatungsangebot zur Reduktion von Energiearmut in Tempelhof-Schöneberg einzusetzen. Dieses Angebot soll gezielt Haushalte in energetisch sanierungsbedürftigen Mietshäusern sowie in Quartieren mit besonderen sozialen Bedarfen erreichen und so den zukünftig emissionshandelsgetriebenen Preisanstieg dämpfen.
Dabei soll das Bezirksamt:
- Synergien nutzen: Das Angebot eng mit bestehenden Sozialraumstrukturen (z. B. Quartiersmanagements, Stadtteilzentren) verknüpfen und Kooperationen mit bewährten Akteuren (z. B. Stromspar-Check, Verbraucherzentrale) suchen, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Schwellenängste abzubauen.
- Investive Komponente prüfen: Nach dem Vorbild internationaler Best Practices (z. B. „Fixbrigade“) prüfen, wie die Beratung mit dem Einbau geringinvestiver Maßnahmen (z. B. smarte Thermostate, Dichtungen, LED) kombiniert werden kann. Hierbei sind rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich des Mietrechts und der Eigentümerzustimmung zu berücksichtigen.
- Finanzierung absichern: Zur Umsetzung gezielt Landesmittel (z. B. aus dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm BEK oder entsprechenden Förderfonds der Senatsverwaltungen) sowie Bundes- oder EU-Mittel akquirieren.
- Datenbasis verbessern: Sich auf bezirklicher und landesweiter Ebene für eine systematische, datenschutzkonforme Erfassung von Energiearmut einsetzen, um zukünftige sozialpolitische Maßnahmen zielgenau steuern zu können.
Energiearmut ist in Tempelhof-Schöneberg ein wachsendes soziales Problem, das durch steigende Energiepreise und einen teils unsanierten Gebäudebestand verschärft wird. Betroffen sind vor allem Haushalte mit geringem Einkommen sowie Haushalte knapp oberhalb der Grenze für Transferleistungen, die oft mehr als 10 % ihres verfügbaren Einkommens für Energiekosten aufwenden müssen.
Bestehende Beratungsangebote sind oft „Komm-Strukturen“. Sie erreichen jene Haushalte kaum, die aufgrund von Sprachbarrieren, fehlender digitaler Teilhabe oder Misstrauen gegenüber Institutionen Unterstützung am dringendsten benötigen. Ein aufsuchender, kultursensibler Ansatz ist daher notwendig, um Vertrauen direkt im Wohnumfeld aufzubauen.
Die Kombination aus Beratung und sofortiger technischer Hilfe (kleine investive Maßnahmen) sorgt für eine unmittelbare finanzielle Entlastung der Haushalte und leistet einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz. Durch den Einsatz smarter Technik können Heizkosten signifikant gesenkt werden, was auch die öffentliche Hand entlastet, sofern diese die Kosten der Unterkunft (KdU) trägt.
Im Kontext der kommunalen Wärmeplanung ist dieses Angebot zudem ein wichtiges Instrument der Akzeptanzsicherung. Nur wenn die soziale Flanke der Energiewende durch transparente Information und konkrete Hilfe gestärkt wird, kann der Transformationsprozess im Bezirk erfolgreich und solidarisch gestaltet werden. Die Erfassung belastbarer Daten zur Energiearmut ist hierfür die zwingende strategische Grundlage.
