Forderung
Die SPD Berlin setzt sich dafür ein, das Modell der dezentralen, teil-autarken Energieversorgung in Verbindung mit dem Schwammstadt-Gesamtkonzept massiv auszuweiten. Ziel ist es, Berlin durch den Aufbau energetischer Wabenstrukturen klimafreundlicher, krisenfest und sozial gerecht umzugestalten.
Konkret fordern wir den Senat, die Bundesregierung und die beteiligten Akteure auf:
1. Energetische Wabenstrukturen etablieren: Stadtquartiere sollen konsequent in dezentrale Energiezellen („Waben“) unterteilt werden, die Strom und Wärme vor Ort produzieren, speichern und teilen (z. B. durch Quartiersspeicher, Geothermie und Blockheizkraftwerke).
2. Energy Sharing vorantreiben: Auf Basis der EnWG-Reform treibt die SPD die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung voran, um Energy Sharing rechtlich abzusichern, bürokratische Hürden weiter abzubauen und das Teilen von lokal erzeugtem Strom finanziell attraktiv zu gestalten.
3. Sektorenkopplung im Kiez fördern: Die Verknüpfung von Photovoltaik (Mieterstrom), lokalen Wärmeinseln und E-Mobilitäts-Ladeinfrastruktur muss durch Landesprogramme finanziell abgesichert werden. Hierbei kommt den Berliner Stadtwerken und den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften eine Schlüsselrolle als Treiber zu.
4. Schwammstadt-Integration als Standard: Bei energetischen Sanierungen und Quartiersneuentwicklungen ist das Schwammstadt-Prinzip (Dach- und Fassadenbegrünung, lokale Versickerung, Zisternen) zwingend zu integrieren. Im Sinne des Bevölkerungsschutzes und einer erhöhten Resilienz zielt dies darauf ab, Hitzeinseln zu reduzieren und die Gefahren durch Starkregenereignisse zu minimieren.
5. Krisenvorsorge durch Inselfähigkeit: Dezentrale Strukturen sind technisch so zu konzipieren, dass sie bei überregionalen Netzstörungen eine kritische Grundversorgung im Quartier aufrechterhalten können (Inselfähigkeit).
6. Soziale Staffelung und Bezahlbarkeit: Die Transformation muss die Warmmietenneutralität wahren. Öffentliche Förderungen sind primär dort einzusetzen, wo Mieterinnen und Mieter durch günstigere lokale Energiepreise (Mieterstrom-Modelle) direkt finanziell entlastet werden.
Berlin steht vor der existenziellen Herausforderung, Klimaanpassung und Energiesicherheit sozial verträglich zu gestalten. Zentralistische Versorgungsstrukturen sind anfällig für externe Schocks und geopolitische Krisen. Das Konzept der energetischen Wabe bricht die Energiewende auf handhabbare, demokratische Einheiten herunter und holt die Entscheidungsmacht in die Kieze zurück.
Praktische Machbarkeit: Dass dieser Ansatz technisch und ökonomisch funktioniert, belegen Berliner Leuchtturmprojekte bereits heute:
- EUREF-Campus (Schöneberg): Zeigt als „Micro-Smart-Grid“ die CO2-neutrale Vernetzung von Gebäuden.
- Buckower Felder (Neukölln): Beweist, dass CO2-freies Wohnen durch Solarstrom-Nutzung auch im sozialen Mietwohnungsbau gelingt.
- WATERKANT (Spandau): Nutzt Flusswasser-Wärmepumpen für bezahlbare Wärme in großem Stil.
- Schumacher Quartier (TXL): Setzt das Schwammstadt-Prinzip konsequent zur Kühlung und Entwässerung um.
Synergien: Die Verbindung von Energiepolitik und Schwammstadt-Konzepten schafft technische Vorteile: Dachbegrünungen kühlen Photovoltaik-Paneele, was deren Wirkungsgrad um ca. 5 % erhöht. Zudem senkt die lokale Versickerung die Niederschlagswassergebühren und damit die Betriebskosten für die Mieterschaft.
Politisches Ziel: Als SPD stellen wir sicher, dass moderne, krisenfeste Infrastruktur kein Privileg für wohlhabende Eigenheimbesitzer bleibt. Durch dezentrale Speicher und lokale Erzeugung machen wir die Energiewende zum Werkzeug der sozialen Daseinsvorsorge. Wir demokratisieren die Energieversorgung und machen unsere Stadt resilient gegenüber den Folgen des Klimawandels.
